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Historisches zur Fischerei aus dem Stadtarchiv
Übersetzung: Antrag des Herrn Hubert Osemann, Haltern auf Anpachtung der Fischereirechte am Stausee in der Stadtmühlenbucht. Wie mir bekannt wird ist nunmehr die Frage der Fischereirechte im Stausee spruchreif geworden.
Daher erlaube ich mir, meinen Antrag des Vorjahres zu wiederholen und bitte den Magistrat mir die Fischereirechte für das Los III (siehe beiliegenden Plan) bis zum 1. Oktober 1932 zu verpachten. Als Pachtzins zahle ich 20 Mark und verpflichte mich weiterhin 50% der Fischbeute durch Netzzüge an die Stadt zu liefern. Hochachtungsvoll Hubert Osemann
Hubert Osemann wurde am 12. Dezember1896 in Haltern geboren. Er wurde 61 Jahre alt, arbeitete zuletzt bei der Stadtverwaltung im Bauamt. Er wohnte in der Grabenstiege 6. Nachbarn waren die Eltern von Franz Thewes. Franz Thewes war jahrelang unser Vorsitzender, er ist durch H. Osemannm zum Fischereiverein gekommen. Vermutlich war H. Osemann der erste 1. Vorsitzende des Fischereivereins Haltern (Information stammt von der Tochter - 9.10.2009).
Auszug Halterner Geschichte: Schon unsere Vorväter hatten Ärger mit den Frauen, weil die 1575 schon nicht wollten, dass die Männer fischen gehen
1569 Um die Wende zum Jahre 1570 treten die Lippe und die Stever außergewöhnlich hoch über die Ufer. Nach Abzug des Hochwassers hat sich das Lippebett von der südlichen Stadtmauer um etwa 900 m nach Süden verlegt (Abkürzung der Nordschleife). Hierdurch wurde die Brücke am Lippetor überflüssig und der Bau einer neuen Lippbrücke erforderlich. Der Hof Große-Stevermüer (heute Wasserwerk) lag vor der Hochwasserkatastrophe südlich der Lippe, heute nördlich. 1571 Über die Hörigen des Hofes Haltern übt der Hofesmeier, auch Schulte oder Amtmann genannt, die Gerichtsbarkeit aus. Er war zugleich Holz- und Markenrichter. Seine Wohnung befand sich im Richthof. 1575 Beginn der Bauarbeiten am Rathaus, das im gotischen Stil mit Renaisance-Giebeln errichtet wird. Das Rathaus wird im Jahre 1577 fertig gestellt und in Benutzung genommen. Wegen der Änderung des Lippelaufes kommt es 1575 zu schweren Auseinandersetzungen über die Fischereigerechtsame (Fischereirechte) mit den strengen Stiftsdamen zu Flaesheim. 1579 Mit dem Bau einer neuen Lippebrücke wird mit Zustimmung des Bischofs von Münster, der auch das erforderliche Bauholz liefert, jedoch gegen den Willen des Vestischen Statthalters, begonnen. (Bauzeit 5 Jahre). Die Brücke hat nach Fertigstellung jedoch nur 4 Jahre lang gestanden. Danach wurde wieder eine „Schalen“-Fähre angelegt. 1588 Die 1584 fertiggestellte Lippbrücke wird bei dem Einfall der Holländer zerstört und dadurch für den Verkehr unbrauchbar (Spanisch-Holländischer Krieg 1587 - 1609). In diesen Jahren finden in den Nachbarstädten (Recklinghausen, Dorsten u. a.) Hexenverbrennungen statt. Haltern bleibt jedoch vom Hexenwahn verschont. 1593 Wegen der Kriegsnot (Besetzung der Stadt durch Holländer und Spanier) prägt die Stadt ohne landesherrliche Genehmigung Kupfermünzen (1-, 3- und 6-Pfennigstücke) im Gesamtwert von 50 Reichstalern. Das heutige Stadtwappen ist eingeprägt. Zu dieser Zeit wohnen 600 erwachsene Einwohner in Haltern. 1597 Am Halterner Hafenplatz der Lippe ist ein Kran aufgestellt, der die Lasten aus dem Schiff in die Wagen hebt. Im Mai werden hier Ziegelsteine für den Bau der Jesuitenkirche in Münster gelöscht, die mit dem Schiff über die Lippe von Wesel nach Haltern geschafft worden waren. 1608 Zwischen dem Stift Flaesheim und der Stadt Haltern kommt ein Vergleich zustande über die Streitigkeiten im Zusammenhang mit den veränderten Grundstücksverhältnissen nach der Lippeverlagerung (1569/70). Möllenort und Krumpel. 1611 Haltern tritt aus der Hansa aus (Mitglied seit 1554). 1614 Die Tannenberger Anna-Kapelle wird erstmalig erwähnt. Die Kapelle soll im spanisch-holländischen Krieg ( 1587 - 1609) zerstört worden sein. 1620 Errichtung des Gasthofes „Schwarzer Adler“ (Leidiger) mit Renaissancegiebel, dem eine Herberge der Stadt angegliedert wird. 1622 Am 11. November fordern Bayerische Offiziere von der Stadt Quartiere für 80 Musketiere. Die Stadt weist die Forderung zurück. Drei Monate später bedroht dieserhalb Graf Anholt die Stadt mit seinen Truppen und Geschützen. Haltern öffnet seine Stadttore. Beginn der Kriegsnot im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648). 1624 Die Stadt prägt wiederum Kupfermünzen ohne Genehmigung des Landesherrn für 100 Reichsthaler (1, 3, 6, 9 Pfennig) mit Wappen auf der Vorderseite und Wertzahl auf der Rückseite. Der Amtsdroste zu Dülmen verbietet das Prägen von Münzen. In diesem Jahre werden der Stadt wegen ihrer Weigerung, kaiserliche Kompagnien einzuquartieren, ihre Rechte und Güter entzogen. 1627 Durch den „recessus destitutionis“ des Bischofs von Münster vom 15. März werden weitere Prägungen von Münzen verboten. Hierdurch wird auch die Strafgerichtsbarkeit der Stadt aufgehoben. Am 07. Dezember wird infolge eines starken Gewittersturmes ein ca. 200 m langer Teil der Stadtmauer niedergeworfen, wobei ein Haus zerstört und Hausvieh getötet wird. 1630 Die Pest-Krankheit tritt in Haltern auf. Am Feste St. Sixtus wird eine Bittprozession abgehalten, die bis auf den heutigen Tag jährlich stattfindet. 1632 Die 1627 der Stadt entzogenen Rechte werden der Stadt vom Fürstbischof teilweise zurückgegeben. Alle Gerichtsbarkeiten verbleiben noch beim Bischof von Münster. 1633 bis 1639 Hessische und kaiserliche Truppen erobern, besetzen und plündern wechselseitig die Stadt Haltern. Die Stadtbefestigungen werden zum größten Teil niedergerissen. Kontributionen und Requisationen führen zu Armut und Hungersnot in der Stadt. Drei Jahre lang wütet die Pest von 1633 bis 1636. Die Kontributionen der Hessen betrugen allein in den ersten drei Notjahren insg. 60.427 Thaler, die eine starke Verschuldung der Stadt zur Folge hatten. 1639 Die St. Sixtus-Pfarrkirche beginnt, Kirchenbücher zu führen (Tauf-, Trau- und Sterberegister). 1640 bis 1648 Der Krieg flammt wieder auf. Kaiserliche und Hessische Truppen
Alte Urkunden und Halterner Fischer erzählen von der Halterner Fischerei
Die Halterner Gewässer und ihre Fischerei haben ihre Geschichte. Neben ihrer landwirtschaftlichen und handwerklichen Berufsarbeit lagen die Bewohner in starkem Maße dem Fischfang ob. Die außerordentlich lebhafte Anteilnahme der alten „Poahlbürger“ an allem, was mit Fischfang zusammenhängt, zeugt von dem Fischergeist, der zu allen Zeiten im Halterner Gebiet lebendig war. Daneben erzählen uns alte Urkunden von der Geschichte der Halterner Fischerei. Zu unserer Väter Zeiten, als der Germanenstamm der Brukterer unser Gebiet bewohnte, war die Fischerei, wie überall in den altgermanischen Gauen, Allemende (Gemeinbesitz). Mit der Einführung des Christentums änderte sich dieses Besitzrecht grundlegend. Die bischöflichen Amtshöfe, die Klosterhöfe und jene freien Hofbesitzer, die ihre Grundstücke an den Flussläufen liegen hatten, eigneten sich die Fischereigerechtssame an. Damals entstand die altsächsische Sieglung Halatra, unser heutiges Haltern, bestehend aus dem bischöflichen Amtshof und den Höfen Stadtschulte, Holstege, Bessing und Frithof. Es kann als sicher gelten, dass ein großer Teil der Fischerei sich im Eigentum der im Jahre 1288 zur Stadt erhobenen Gemeinde befand. Im Jahre 1437 wurde dieser Besitz erheblich erweitert, als die Stadt die halbe Fischerei auf der Lippe dem Arnd von Hamme abkaufte. Die Fischerei auf der sogenannten „alten Lippe“ von der Stevermündung bis Flaesheim, teilte die Stadt mit dem Augustinerinnenkloster in Flaesheim. Dieses Kloster unterstand dem Stift Werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Überfall eines Fähnleins Soldaten des Stiftes auf die friedliche Stadt Haltern am 09. Januar 1656 auf Streitigkeiten bei der Handhabung der gemeinsamen Fischereigerechtsame zurückzuführen ist. Der Angriff wurde von den tapferen Bürgern abgeschlagen und dabei einige Schwerter erbeutet, die noch heute auf dem Rathaus aufbewahrt werden. Die Lippe hatte früher einen anderen lauf als heute, und zwar floss sie unmittelbar an der Stadt vorbei, woran noch die Namen Lippstraße, Lipptor, Lippmauer und Lippspieker erinnern. Zeugen des Lippebettes sind die deutlich sichtbaren Uferterrassen in den Wiesen zwischen Haltern und Berghaltern und der Fließsand im Mersch. Diese Änderung des Flusslaufes muß gelegentlich eins gewaltigen Hochwassers im Jahre 1569 vor sich gegangen sein. Eine alte Urkunde erzählt, dass die Lippe damals „irenn altenn gags“ verlassen und einen neuen unverhoffentlich genommen“ habe. Dadurch änderten sich naturgemäß auch die Anteile an der Fischereigerechtsame. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass es damals zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den neuen und alten Anliegern gekommen sein muss. Die Stadt sicherte sich dabei den Löwenanteil. Das Lehen Saalgut (Besitz des des Stiftes Werden) und der Einlauf des Hofes zu Romen (Flaesheim), des Gutes Davis im Welde in der Herrlichkeit Ostendorf und mehrerer kleinerer Güter in Overrath brachten der Stadt eine erhebliche Erweiterung der Fischereirechtsame ein. Sie wurde dadurch u.a. Hauptanlieger der Stever bis zur Höhe von Niehues-Harz (Heimingshof). Aus nordöstlicher Richtung kommt von Dülmen her der Mühlenbach, „so die Wargrappe vormals genannt worden“, der bei Sythen den Sandbach aufnimmt. Vor der Anlage es Stausees trieb er die alte städtische Kornmühle in der Nähe der Stadtmühle und ergoss sich dann in unmittelbarer Nähe des Overrathers Hofes in die Stever. Besitzer der Fischereirechtsame des Mühlenbaches waren stets die Herren auf Haus Sythen. Einer dieser Herren, Johann von Besten, gab im Jahr 1496 vor dem Richter aus Dülmen eine Erklärung ab, die besagt, dass „de visicherne des troms unbe waters geheiten de wargrappen (Mühlenbach) anganbe her molen ten groten ande unde ferende an der molen to webersen“ ihm, dem Besitzer des Hauses Sythen, zustehe. Trotzdem die adeligen Herren die Fischerei wenig oder gar nicht ausübten und sie ihren Knechten und Zinszahlern überließen, hielten sie aber Jahrhunderte hindurch an der Fischereigerechtsame fest. Erst im vorigen Jahrhundert tauschten sie einen Teil gegen den Stadtwieser Sand mit der Stadt Haltern ein. Heute besitzt die Stadt Haltern die Fischereirechtsame an der Lippe von den Hubbert’schen Wiesen in der Höhe des Didderhof’schen Sägewerks bis zur Höhe des Hofes Grothuesmann in Flaesheim, aber nur rechtsseitig. Während sich links die Gerechtsame des Herzogs von Arenberg anschlisst, hält rechts nach Haus Ostendorf zu der Graf von Merfeld die Rechtsame an seinem Stück. Die Besitzverhältnisse an der Stever und dem Mühlenbach sind die alten geblieben, also Stadt, Graf von Westerholt und die anliegenden Bauern. An den neuen Gewässern Stausee und Lippe-Seiten-Kanal liegen die Verhältnisse jetzt einfach- Die Fischereirechtsame am See hat sich die Stadt bei ihren Verlaufsverhandlungen mit dem Besitzer des Stausees, dem Wasserwerk für das nördliche, westfälische Kohlenrevier, zum Teil gesichert. Besitzer der Fischereigerechtsame am Kanal ist die Kanalbauverwaltung die sie an den Fischereiverein Westfalen und Lippe zur Vergebung an die örtlichen Fischereivereine verpachtet hat. Von dem Fischreichtum der einheimischen Gewässer, den verschiedensten Gebräuchen, Fangarten usw. aus früheren Jahrhunderten ist uns nur wenig bekannt. Genaueres wissen wir aber aus dem letzten Jahrhundert. Lippe, Stever und Mühlenbach sind früher außerordentlich fischreich gewesen. Das gilt besonders für die Lippe. Barbe und Nase waren hauptmäßig vertreten. Die alten Fischer erzählen, dass 12- und 13pfündige Barben keine Seltenheit gewesen seien. Zur Laichzeit zogen die Nasen in gewaltigen Scharen die Stever und den Mühlenbach hinauf. Zu Tausenden lagen sie auf dem steinigen Grund aufeinandergepacht. Die Barbe zog höher hinauf, wo sie schnellfließendes Wasser fand. Zu den beiden erstgenannten Fischarten gesellte sich die Brasse und der Aal, die ebenfalls zahlreich in der Lippe vertreten waren. An Raubfischen fehlte es natürlich auch nicht, da sie sich bei dem Fischreichtum über Nahrungsmangel nicht zu beklagen brauchten. Man ist überrascht zu hören, das sehr oft 25- bis 28pfündige Hechte gefangen wurden. Mit einem Schlage war es mit diesem Fischreichtum zu Ende, als im Jahre 1911 die Zeche Hermann bei Selm ihre Ammoniakbehälter errichtete, deren Abwässer der Lippe zugeführt wurden. Am Tage vor Weihnachten bedeckten ungeheure Scharen von toten und betäubten Fischen die Oberfläche der Lippe. Es wurde vielfach angenommen, das Leichengift der verunglückten und noch nicht geborgenen Bergleute der Zeche Radbod bei Hamm ist auf irgendeine Weise in die Lippe geraten und habe das Fischsterben veranlasst. Die Leute lehnten es aus diesem Grunde auch ab, die noch lebenden, nur betäubten Fische zu verwerten. Später wurde die wahre Ursache bekannt. Die zeche entschädigte wohl die Fischereiberechtigten und setzte auch eine Anzahl Fische aus: der Fischreichtum vergangener Zeiten ist aber bei weitem nicht wieder erreicht worden. Von den Verheerungen, die die Abwässer der zeche unter dem Fischbestand der Lippe anrichteten, sind Stever und Mühlenbach verschont geblieben, wenn auch ihr heutiger Fischbestand wesentlich kleiner ist als der frühere. Die schnellfließenden Wasserläufe mit ihren teilweise riefigen und unterhöhlten Ufern sind vor allen Dingen für den Aufenthalt von Felchen und Forellen geeignet. Zu der üppigen Wasserfauna und –flora finden viele Fische reiche Nahrung. Auch fehlte es nicht an Krebsen. Es kam nicht selten vor, das in den Aalreusen ein Dutzend und mehr Krebse gefangen wurde. Als Ausnahmefall muss dagegen der Fang eines Störes an der Füchtelner Mühle angesehen werden. Einen glücklichen Tag hatte ein Fischer im Jahre 1897, als er aus dem Oberlauf der Stever eine 17pfündige Lachsforelle herausholte. Im Mühlenbach waren die Bachforellen zahlreich vertreten. Forellen von 4 bis 5 Pfund waren keineswegs selten. Noch vor wenigen Jahren konnte der Müller der städtischen Kornmühle eine Bachforelle im Gewicht von 9 Pfund fangen. Es scheint, dass der heutige Fischbestand, soweit wenigstens der See in Frage kommt, allmählich wieder die Höhe erreicht, die vordem in Halterner Gewässern zu verzeichnen war. Das außerordentlich nahrungsreiche Seegewässer bietet den Fischen die besten Lebensbedingungen. Hechte und Aale von ungewöhnlichem Gewicht werden fast regelmäßig gefangen. Aufsehen erregte vor kurzer Zeit der Fang eines fast 9pfündigen Aals. Kein Halterner kann sich erinnern, jemals einen solchen Aal gesehen zu haben. In der Lippe ist nur noch der Aal zahlreich vertreten. Daneben finden wir noch in geringer Anzahl Hechte, Barsche, Weißfische, Karpfen und vereinzelt Forellen und Felchen. Seltener noch die Barbe. Stever und Mühlenbach haben in ihrem Fischbestand durch Regulierungsarbeiten gelitten. Doch lohnt sich auch hier noch der Angelsport. Den Fischfang übten in vergangenen Zeiten die Knechte der anliegenden Bauern aus, die die gefangenen Fische auf dem Markt zum Verkauf anboten. Aber auch die Bauern selbst verzichteten nicht ganz auf die Ausübung der Fischerei. Sie begnügten sich dabei nicht mit kleinlichen Mitteln. Kähnen und Strohfackeln zogen sie nachts zum Fischfang aus. Beim Fang bedienten sie sich Harpunen ähnlicher Wurfspeere. An den Flussmündungen fing man die ziehenden Fische mit den sogenannten Hamen. Garnteufen, Aalkörbe und Aalseile dienten als weitere Fanggeräte. Ein Ereignis war alljährlich der große Fischzug in dem Gebiete der städtischen Fischereigerechtsame, an dem sich die Stadtverordneten beteiligten. Man erzählt sich noch heute manche heitere Episode, die sich bei diesen Fischfängen ereignet haben. Die Halterner Fischer sorgten auch für eine rationelle Fischpflege. So wurde zum Beispiel ein Schonrevier angelegt, das sich vom Riemer Berg bis zur sogenannten Köppe (jetzt haus Niemen) erstreckte. Ein Verstoß gegen diese Anordnung wurde mit schweren Strafen belegt. Der reiche Fischbestand im Halterner Gebiet hatte zur Folge, dass sich auch die bekannten Fischräuber hier ansiedelten. Da verdient der Fischreiher besondere Erwähnung. Soweit unsere Erinnerung zurückgeht, befand sich und befindet sich auch noch heute in den Waldungen des Grafen von Westerholt, im Linnert bei Sythen, eine Fischreiherkolonie. Die starke Übertreibung bei der Schätzung des Schadens, den der Fischreiher dem Fischbestand zufügt, hat es mit sich gebracht, dass der Fischreiher Gefahr läuft, allmählich aus unserem Landschaftsbild zu verschwinden. Während im vergangenen Jahre noch ungefähr vierzig Horste bewohnt waren, sind es heute nur noch etwas über zwanzig. Der Fischreiher hat keine Schonzeit, auch nicht während seiner Horstzeit. Das hat zur Folge, dass jährlich zahlreiche Jungreiher verhungern müssen, weil die alten Reiher abgeschossen werden. Zugegeben, dass der Reiher als Schädling für die Fischerei zu gelten hat, so rechtfertigt dieser noch erträgliche Schaden keineswegs die vollständige Ausrottung eines Tieres, das als einer der seltenen Großvögel unserer Landschaft ein Kleinod im schönsten Sinne des Wortes darstellt. Sein Schutz sollte für jeden Naturfreund eine Selbstverständlichkeit sein. Ein anderer Fischräuber, dessen Spur man heute nur noch sehr selten findet, ist der Fischotter. Früher kam er an allen Gewässern vor. Die Erinnerung an ihn verbindet gleichzeitig das Gedenken an den vor einigen Jahren in Haltern verstorbenen Otterjäger Schmidt, der den behördlichen Auftrag hatte, in Westfalen und Lippe die Otterjagd zu betrieben. Schmidt war als Otterjäger überall bekannt. Seine Erfahrungen machten sich auch fremde Staaten zunutze. Bis nach Ungarn erstreckte sich seine erfolgreiche Tätigkeit. Wie schon gesagt, ist der Fischotter heute fast vollständig ausgerottet, soweit es wenigstens für unser Gebiet in Frage kommt. Im Jahre 1926 wurde der letzte Otter gespürt. Kurz nach dem Kriege gelang es dem Wächter der städtischen Kornmühle, einen Otter in der Reuse zu fangen, während von dem Förster des Grafen von Westerholt zwei Ottern in Eisen gefangen wurden. Alljährlich wird auch der Fischadler am See beobachtet. Dem einsamen Wanderer bietet sich an stillen Tagen, wenn der See frei ist vom lauten Treiben der Badegäste und Paddler, ein selten schönes Bild. Der prächtige Vogel mit seiner hellen Unterseite steht rüttelnd in der Luft, um dann urplötzlich ins Wasser zu schießen und mit seiner Beute flugs darauf das Weite zu suchen. Die Halterner Fischerei bietet in ihrer Geschichte manche Einzelheiten, Erlebnisse und Gebräuche, die eine wertvolle Ergänzung sind zu der Geschichte der Stadt Haltern, ein Teil alten Brauchtums und deutscher Heimatkunde.
Siehe auch: unsere Fotos aus vergangenen Zeiten
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